Klänge aus der Hosentasche
iPhone-NutzerInnen können auf ihrem Gerät jetzt auch elektronische Musik komponieren. Möglich macht das die App „abcdefghijklmnopqrstuvwxyz”, eine Idee von Jörg Piringer, der damit auch den Content Award gewann.
Jörg Piringer über seine App: "Mit 'abcdefghijklmnopqrstuvwxyz' können iPhone-UserInnen quasi zu Komponistinnen und Komponisten werden."
Forschen & Entdecken: Sie sind beruflich äußerst vielseitig unterwegs und pendeln zwischen Literatur, Sprache, Sound, Computer und der Entwicklung von Robotern. Könnten Sie uns einen Überblick darüber geben, was Sie so tun?
Jörg Piringer: Obwohl ich Informatik studiert und eine technische Ausbildung habe, verstehe ich mich schon als Künstler. Ich mache viele Projekte in den Bereichen Medienkunst, Literatur und Performance – in diesen Feldern bin ich am häufigsten beschäftigt. Aber auch Musik und Netzkunstprojekte gehören im Wesentlichen dazu. Es ist schwer, dies alles in Schubladen zu stecken. Und eigentlich möchte ich das auch nicht, da die Dinge miteinander sehr verzahnt sind. Eines greift in das andere über. Ich nehme einfach jene Projekte in Angriff, die ich gerade spannend finde. Stichwort Aktualität: Vor allem im künstlerischen Bereich reagiert man gern auf Aktuelles. Allein die sich ständig ändernde Technik zieht immer wieder neue Möglichkeiten nach sich – und genau das finde ich sehr aufregend.
Sie haben im vergangenen Jahr mit Ihrer App „abcdefghijklmnopqrstuvwxyz for iPhone“ den „Content Award“ für „MobileApps“ gewonnen. Können Sie uns erklären, was diese App kann?
Im Grunde handelt es sich um eine App mit Sprachlauten und Text, mit der man spielerisch umgehen kann. Ja, es ist ein Sprach- und Textspiel, das es ermöglicht, spannende Sounds zu generieren. Es gibt verschiedene Kategorien mit unterschiedlichem Verhalten, die aufeinander reagieren und so Sounds produzieren. Wie man sie letztlich manipuliert, ist der lustvolle Umgang mit Sprache und Text. iPhone-Userinnen und -User können im Zuge von „abcdefghijklmnopqrstuvwxyz“ quasi zu Komponistinnen und Komponisten werden, indem sie durch ein vertontes ABC Töne und Beats produzieren.
Wie ist Ihnen die Idee dazu gekommen?
Eigentlich habe ich mich schon jahrelang damit beschäftigt und bereits ähnliche Dinge fürs Web gemacht. Und irgendwann – viele Künstlerkolleginnen und -kollegen hatten bereits Apps programmiert – wollte ich das auch mal tun und sehen, wie die Leute darauf reagieren.
Sie haben extrem spannende, aber nicht wahnsinnig konventionelle Leidenschaften, Visionen und Professionen. Ist es schwierig, damit auch wirtschaftlich zu reüssieren?
Also eigentlich finde ich es nicht sehr schwierig. Soll heißen, es geht mir relativ gut, was natürlich aktuell auch mit der App zu tun hat. Wenn man sich spezialisiert und ein langes Durchhaltevermögen hat, dann geht das schon. Es dauert halt seine Zeit, bis einen die Leute kennen. Zwar bin ich jetzt auch nicht gerade extrem bekannt, aber es reicht, um davon leben zu können. Vor allem in den letzten Jahren hat sich die Angelegenheit gut entwickelt. Der Antrieb dahinter ist natürlich Leidenschaft, das muss so sein, wenn man künstlerisch tätig und erfolgreich sein will. Zwar gibt es auch Konkurrenz, aber die sehe ich eigentlich durchwegs positiv. Sie sorgt dafür, dass ein Bereich mehr Aufmerksamkeit bekommt. Das Feld wird relevanter und mehr Menschen reagieren darauf.
Und was konkret macht das Gemüse-Orchester, dessen Gründungsmitglied Sie sind?
Das macht Musik mit Gemüse-Instrumenten und gibt es bereits über 13 Jahre. Es ist nicht nur ein Spaßprojekt. Denn was dabei herauskommt, ist echte und gute Musik, vor der sich Zuhörerinnen und Zuhörer nicht fürchten müssen. Natürlich geben wir dieser Sache ein Augenzwinkern mit, aber der Hauptfokus liegt auf der Musik – aber eben mit Instrumenten aus Gemüse, die wir zum Beispiel aufeinander schlagen. Zwei Melanzani können, wenn man sie richtig „mikrofoniert“, einen echt coolen Basssound ergeben. Das Projekt erfordert intensives Proben, so treffen wir einander jede Woche zu diesem Zweck und haben rund 50 Auftritte im Jahr. Zuletzt haben wir in Frankreich, Italien und Dänemark gespielt. Sogar eine Bookerin arbeitet für uns.
Abschließende Frage: Wie ist Ihre Verbindung zur ZIT bzw. zum „Content Award“? Und was hat sich seit dem Gewinn des „Content Awards“ für Sie geändert? Öffnen sich hier Türen?
Ich kannte den „Content Award“ zwar bereits, beworben habe ich mich schlussendlich aber erst, weil mich ein Freund nochmal darauf aufmerksam gemacht hat. Allein dieses Interview belegt die Auswirkungen des Awards. Man bekommt schlichtweg mehr Aufmerksamkeit.