Mehr Lebensqualität dank bionischer Hände
Ein Arbeits- und ein schwerer Autounfall verletzten die Hände von zwei jungen Männer so schwer, dass diese ihre Funktion einbüßten. An der MedUni Wien bekamen die Beiden jetzt eine Spezialprothese und können wieder ein selbstständiges Leben führen.
Vor vier Jahren hatte Patrick einen schweren Unfall, mit seiner bionischen Hand kann er jetzt wieder den Alltag problemlos meistern.
Patricks rechte Hand konnte nach dem Arbeitsunfall im Zementwerk weitgehend wiederhergestellt werden, die linke blieb jedoch ohne Nerven und Muskeln und mit nur drei Fingern ohne Funktion. Eine konventionelle biologische Rekonstruktion war ebenso wenig möglich wie eine Transplantation. Im Vorjahr entschied sich Patrick für die Amputation seiner funktionslosen linken Hand und den Ersatz durch eine so genannte bionische Hand.
Es war dies weltweit die erste derartige Operation. Patrick bekam damit die Chance, wieder ein selbständiges Leben zu führen. Mit diesem einzigartigen Konzept festigt die Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien ihre weltweite Spitzenposition in der bionischen Rekonstruktion – und kann damit Menschen, die aufgrund eines Unfall funktionslosen Händen haben, neue Hoffnung zu geben.
Eine neue Hand, die wieder funktioniert
Wie eine kürzlich erfolgte Untersuchung zeigt, hat Patrick heute mit seiner neuen Hand einen Großteil der früheren Funktionsfähigkeit wiedererlangt. Zum Ausmaß der Fortschritte meint sein behandelnder Arzt Oskar Aszmann von der Abteilung für Plastische und Wiederherstellende Chirurgie der Universitätsklinik für Chirurgie an der MedUni Wien: „Ich kenne Patrick seit seinem Unfall vor vier Jahren. Wenn man ihn heute sieht, wie gut er mit seiner neuen bionischen Hand umgeht, kommen einem vor Freude fast die Tränen.“
Erweiterte Möglichkeiten der Rekonstruktiven Chirurgie
Ende April konnte die Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie der MedUni Wien nun mit Milorad den weltweit zweiten Menschen mit einer bionischen Hand versorgen. Nach seinem schweren Autounfall vor zehn Jahren konnte seine Schulter- und Ellbogenfunktion mit chirurgischen Mitteln wiederhergestellt werden.
„Bei Händen besteht aber in fast allen ähnlich gelagerten Fällen keine Möglichkeit, die Funktionsfähigkeit auf konventionellem chirurgischen Weg wiederherzustellen. So auch in diesem Fall“, skizziert Aszmann die medizinische Ausgangslage. „Das Großartige an der neuen Technik ist, dass uns bionische Hände und Gliedmaßen nun überall dort ein weites Feld neuer Möglichkeiten eröffnen, wo chirurgische Maßnahmen alleine an ihre Grenzen stoßen.“
In mehreren Schritten zu einer neuen beweglichen Hand
Um Milorad zu einer neuen funktionstüchtigen Hand zu verhelfen, wurde zuerst dem Bein ein Muskel entnommen und in den Arm verpflanzt. Dieser Muskel kann von ihm willentlich gesteuert werden und entwickelt genug Kraft, um ausreichend starke, sogenannte Myosignale (Muskelimpulse) auszusenden.
Diese dienen als elektrische Impulse für die Elektroden der künstlichen, mechatronischen Hand. Mit diesen Informationen werden in der Hand befindliche Servomotoren gesteuert. Das Resultat: Eine willentlich steuerbare, funktionsfähige Hand.
Am Anfang stand ein Traum
Die oberen Extremitäten, also Arme und Hände, sind die mit Abstand am häufigsten verletzten Körperteile. Allein daran lässt sich ablesen, wie wichtig diese Gliedmaßen in jeder Dimension des menschlichen Alltags sind. Insbesondere der Verlust einer Hand bzw. die Einbuße ihrer Funktionsfähigkeit schränken jeden Menschen in seiner Handlungsfähigkeit dramatisch ein.
Dazu Aszmann: „Seit vielen Jahren stand für uns der Traum, mit biologischen und technischen Mitteln die Funktionsfähigkeit einer verlorenen Hand wiederherzustellen, im Mittelpunkt unserer Bemühungen. Heute verfügen wir an der Medizinischen Universität Wien über ein Team ausgewiesener ExpertInnen, das sich erfolgreich auf die Behandlung dieser körperlich stark eingeschränkten PatientInnen spezialisiert hat. Mit dem Willen steuerbare künstliche Hände bieten nun einen hochwertigen Ersatz für den eigenen Körperteil.“